Liebreiz
verzaubert alte Knacker
Von
unserem Sonderkorrespondenten Stefan Diebitz
Das
Jahr neigt sich dem Ende zu, und mit dem Jahresende droht uns ein kleiner
Einschnitt - gleich drei Spieler werden uns nämlich verlassen, teils, weil sie
berufsbedingt wegziehen oder ausgelastet sind - so Detlef Ahrens und Mathias
Malchow -, teils weil sie bei einem anderen Verein ihr Glück als Trainer
versuchen wollen - so André Sterley. So sind wir im nächsten Jahr knapp an
Spielern, obwohl es wohl immer noch für zwei Mannschaften reicht.
Aber
einige neue schachinteressierte Spieler haben bei uns schon mal vorbei
geschaut. Vielleicht steigen
sie ja bei uns mit ein.
Unsere Vereinsmeisterschaft haben wir in diesem Jahr in drei
Leistungsgruppen durchgeführt, so dass meist ungefähr gleichstarke Spieler
aufeinander trafen – das hatte den Vorteil, dass die meisten Partien ziemlich
ausgeglichen und spannend verliefen. Von unseren drei Jugendlichen hat sich
Marcel Neumann für die Meistergruppe qualifiziert, wo dieses scheue Reh ganz
gut mitspielte, und die beiden anderen Jungs, Lars Olßon und Felix Scholl,
spielten in der zweiten Gruppe und erschreckten übergewichtige ältere Herren.
Jedenfalls waren alle anderen glücklich, wenn sie sich mit einem Remis
davonstehlen konnten... Außerdem spielten als Gäste zwei Mädchen bei uns mit,
die zwar in Kücknitz wohnen, aber gleichwohl dem SV Strand angehören; Juliane
Borchardt und Katharina Spitzer wurden vorläufig in die dritte Gruppe
eingeordnet, wo sie ihre Gegner mit mädchenhaftem Liebreiz verzauberten und mit
scharfsinnigen Kombinationen ärgerten.
Viel weniger wichtig als die Vereinsmeisterschaft sind die
anderen Wettbewerbe, Schnell- und Blitzschach – sie machen aber enorm viel
Spaß, vor allem deshalb, weil es den meisten von uns ziemlich schnurz ist, wer
denn gewinnt: es ist einfach nur die Freude am Spiel, und bei der kürzeren
Bedenkzeit kommt es ohnehin viel häufiger zu Erfolgen für die Außenseiter. Die
meisten Turniere konnte trotzdem André gewinnen, der zusammen mit Dieter Boldt
als der große Favorit in die Vereinsmeisterschaft startete. Allerdings, seine
Partie gegen ihn verlor er dann, und so standen seine Chancen nicht mehr ganz
so gut, zumal Dieter in der letzten Runde nur noch gegen Benjamin Hildebrandt
zu gewinnen brauchte. Gegen Benjamin... Die Schlacht begann auch so, wie Dieter
und Benjamin sich das vorgestellt hatten, denn kaum war die Partie eröffnet,
schon hüpfte Dieters Springer auf Benjamins Damenflügel herum – also dort, wo
er nichts zu suchen hat –, störte die Entwicklung, ja raubte einen Bauern, war
unartig und nervte. Aber haben diese schlechten Manieren Dieter geholfen? Haben
sie nicht. Benjamin nämlich spielte im Folgenden meisterhaft, ja wuchs geradezu
über sich hinaus, eroberte den Bauern zurück und erkämpfte ein Remis. Womit
André zu Meisterehren kam...
Die weiteren oberen Plätze belegten punktgleich Andreas und Reiner.
Die 2. Gruppe der Vereinsmeisterschaft wurde von Michael
Schomann und Wolfgang Gesch dominiert, die sich als einzige von uns auswärts
vergnügten: Michael brachte den TSV Kücknitz in die Schlagzeilen, als er ganz
weit fuhr, nämlich bis nach Lemgo, das wahrscheinlich irgendwo in Westfalen
liegt, und dort am Lippe-Cup teilnahm – und zwar mit Erfolg, denn er errang in
seiner Wertungsklasse einen Preis. Wolfgang nahm zum wiederholten Male an der
Landesmeisterschaft teil, wo er in seiner Gruppe bei nur einer Niederlage drei
Siege einfuhr und sich damit für die nächst höhere Wertungsklasse empfahl.
Gerade eben haben sie sich in der Vereinsmeisterschaft getroffen; die Partie
dauerte lange und war ziemlich ausgeglichen, aber schließlich konnte sich
Wolfgang nach zähem Kampf durchsetzen.